Soziales Modul, 6. Klassen – Thema Flucht & Integration aus der Sicht der Betroffenen

Was bedeutet Flucht? Was sind die Gründe dafür? Wie funktioniert Integration? Wie verläuft das österreichische Asylverfahren und wie fühlt man sich in einem fremden Land?

Das polarisierende Thema „Flucht und Flüchtlinge” lernten die sechsten Klassen aus einer besonderen Sicht kennen. Eine von SHADES TOURS VIENNA organsierte Führung zu den Hot Spots der Flüchtlingswelt bot unseren Schüler/innen spezielle Eindrücke. Das Besondere daran: Die Führung erfolgte von betroffenen Personen selbst, in unserem Fall von zwei jungen Syrern, von denen auch einer die SchülerInnen in einem Vortrag auf die Exkursion vorbereitete.

Lesen Sie hier den Bericht unserer Schüler/innen.

Vortrag über Flucht & Integration

Am Donnerstag, dem 29. November 2018, bekamen wir, die SchülerInnen des Sozialen Moduls der 6. Klassen, Besuch von der Organisation Shades Tours. Ein bereits integrierter junger Syrer namens Kenan Al Baredi hielt uns einen Vortrag über seine eigene Fluchtgeschichte und gab uns zusätzliche Informationen über Flucht im Allgemeinen und die politische Lage in seinem Heimatland. Wenn man in Betracht zieht, dass er erst seit drei Jahren in Österreich wohnhaft ist, beherrscht er die deutsche Sprache sehr gut. Es war seine erste Präsentation auf Deutsch, weswegen er ein wenig nervös war. Es war sehr spannend und emotional, Näheres über seine Fluchtgeschichte zu erfahren. Um uns seine Erfahrungen näherzubringen, zeigte er uns Bilder von seiner zerstörten Heimatstadt, welche unter die Haut gingen. Der nun schon 21-jährige Kenan berichtete uns über seinen Heimatort, über seine Familie und weshalb er generell flüchtete.

Der hauptsächliche Grund seiner Flucht war, dass er nicht Teil einer Terrororganisation sein wollte bzw. nicht dazu bereit war, sein eigenes Volk zu bekämpfen. Gesucht wurde er von der Polizei, weil er auf einem Video zu sehen war, als er gegen das Regime protestierte.

Als Erstes versuchte er in anderen Teilen Syriens Schutz zu finden. Doch dieser Versuch war vergebens, da die Polizei immer wieder auf der Suche nach ihm war. Aufgrund dessen fuhr er nach Saudi-Arabien, wo er die Matura absolvierte. Sein Bruder befand sich zur selben Zeit ebenfalls dort. Er hätte in Saudi-Arabien keine Chance gehabt, sich eine Zukunft aufzubauen, weshalb er das Land wieder verließ. Grundsätzlich war es sein Ziel, nach Deutschland zu gelangen, da er dort Verwandte hatte. Dafür musste er jedoch einige Länder durchqueren und sein nächster temporärer Aufenthaltsort war die Türkei, von wo er mit einem Schlepperboot nach neunstündiger Fahrt bei Nacht nach Griechenland gelangte. Nach einem längeren Flug und einer Zugfahrt erreichte er schließlich Österreich. Zu dieser Zeit gab es einen großen Flüchtlingszustrom nach Österreich, weswegen er keinen Platz in einem Zug nach Deutschland ergattern konnte. Nach dieser langen Reise, die viel Zeit und Kraftaufwand erforderte, fand er endlich Unterschlupf bei einer Familie in einem kleinen Dorf im Burgenland.

Dort begannen seine Integration und das Warten auf einen positiven Asylbescheid. Zum Erlernen der deutschen Sprache besuchte Kenan einen Kurs an der Uni. Bei der Familie war er einige Zeit wohnhaft, bis er selber die nötigen Mittel besaß, sich eine Wohnung in Wien leisten zu können. Nach dem positiven Asylbescheid meldete er sich an einer Fachhochschule in Wien an. Leider hat er die Aufnahmeprüfung beim ersten Mal nicht geschafft, doch er verfolgt weiterhin das Ziel zu studieren.

Die Tour

Eine Woche nach dem Vortrag in der Schule machten wir eine Exkursion nach Wien. Kenan zeigte uns mit seinem Landsmann Achmad die sieben Stationen, die ein Flüchtling bewältigen muss, um in der Gesellschaft Österreichs aufgenommen zu werden. Wir trafen uns mit den beiden am Hauptbahnhof und teilten uns in zwei Gruppen auf.

Die eigentliche Führung begann am östlichen Ende des Hauptbahnhofs. Dies soll die Ankunft eines Flüchtlings im neuen Land symbolisieren. Im Jahr 2015 wurden hier sämtliche Flüchtlinge von der Organisation „Train of Hope“ betreut.

Die zweite Station war der Erste-Bank-Campus, welcher den Flüchtlingen eine weitere Unterkunft bot. Dort bauten Freiwillige einige Stockbetten für die Ankommenden auf.

Nach einer Straßenbahnfahrt standen wir vor der Zentrale des BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl). Die Asylwerber warten hier auf die Bestätigung, im Land bleiben zu dürfen.

Bei der nächsten Station, der Wohndrehscheibe der Volkshilfe, erzählte Achmad seiner Gruppe über seine ersten Wohnungserfahrungen in Österreich.

Am Rochusmarkt ging es dann um das Thema Essen. Wir bekamen syrische Kekse zur Verkostung und die beiden Syrer erzählten von ihren ersten kulinarischen Erfahrungen in Österreich.

Danach nahmen wir den Bus zum Integrationsfonds Wien. Hier erhalten die Flüchtlinge Deutschkurse und Beratung zu Themen rund um Integration und Beruf. Wir konnten diverse Personen beobachten, die gerade aus dem Deutschkurs kamen.

Die Tour endete schließlich im Bahnhof Wien Mitte – dieser Ort steht symbolisch für die Ankunft in der Mitte der Gesellschaft.

Trotz der Kälte waren die Führungen sehr spannend und informativ. Die Geschichten der beiden Guides waren erstaunlich und haben uns emotional berührt. Die Exkursion war sehr lehrreich und wir freuen uns auf viele weitere.

Vanessa Taborsky (6E), Simone Fasching (6E), Lena Ciperle (6B), Shannon Zinnecker (6B)